Braune Haut durch Carotinoide?

Braune Haut durch Carotinoide?

Am bekanntesten der Carotinoide, welche eine Gruppe von natürlichen Farbstoffen ist, ist sicherlich das Beta-Carotin, dem die Karotte ihren orangen Farbton verdankt. Das Beta-Carotin kann unser Körper zu Vitamin A verarbeiten, welches wichtig für den Aufbau von Schleimhäuten und Hautzellen sowie für den Sehvorgang ist. Die Carotinoide wirken generell als Antioxidantien, die schädliche freie Radikale abfangen. Neben Beta-Carotin gibt es zum Beispiel noch Alpha-Carotin, Kryptoxanthin, Lycopin, Lutein und Zeaxanthin.

Körper kann sich Carotinoid-Vorräte anlegen

Der Körper lagert die Carotinoide als Vorrat ein. Das geschieht unter anderem in der Leber, im Fettgewebe, aber auch in der Haut.

Hautarzt und Biologe Wolfgang Klee aus Mainz erklärt: „Gelangen länger als drei Wochen mindestens dreißig Milligramm Carotinoide pro Tag in den Körper, kann es zu sichtbaren orangebraunen Farbnuancen der Haut kommen.“ Der medizinische Fachbegriff für derart veränderte Haut heißt „Carotinodermie“. Sicherlich ist es Geschmackssache, ob der Farbton gefällt. Die Teilnehmer einer Studie fanden die Carotinoid-gefärbten Gesichter aber attraktiver als sonnengebräunte Haut. Diese entsteht durch das körpereigenen Pigment Melanin in Folge der UV-Strahlung.

Die Einlagerung der Carotinoide hat noch einen weiteren Effekt, so wie Wolfgang Klee sagt: „Dieses Pigment bietet wie Melanin einen gewissen Sonnenschutz. Der Mensch kann bis zu zwei oder dreimal so lange in der Sonne bleiben wie gewöhnlich, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen.“  Für einen Verzicht auf eine Sonnencreme reicht das aber bei Weitem nicht aus.

Carotinoide aus der Nahrung

Das sich durch das Essen von Gemüse und Obst die Haut bräunlich färbt, lässt sich kaum erreichen: Zwar befinden sich in einem Kilogramm Karotten etwa 100 Milligramm Beta-Carotin und auch in gelb-roten Gemüsen und Früchten kommen Carotinoide vor, zum Beispiel in Roter Bete, Spinat und Grünkohl. Allerdings wird nur ein Teil davon tatsächlich in den Körper aufgenommen, in etwa die Hälfte. Aber wer knabbert schon täglich ein Kilogramm rohe Karotten? Wenn man das Gemüse aber kocht, zerstört man teilweise die Carotinoide.

Carotinoid-Kapseln als Solariumalternative?

Die Kosmetikindustrie bietet Bräunungskapseln an, in den Carotinoide wie beta-Carotin hochdosierter vorkommen und häufig als Farbstoffgemisch enthalten sind. Nach den bisherigen Erkenntnissen hält Wolfgang Klee diese Art der Bräunung zumindest für weniger schädlich als ständige Besuche im Solarium. „Ob es allerdings auch langfristig unbedenklich ist, kann noch nicht klar entschieden werden.“ Studien hatten negative Auswirkungen von isolierten Beta-Carotinen in höheren Dosierungen gezeigt. Eine Untersuchung ergab, dass bei Rauchern und Menschen, die beruflich Asbest ausgesetzt sind, das Lungenkrebsrisiko bei einer Zufuhr von täglich 20 Milligramm Beta-Carotin anstieg. Bei Nichtrauchern beobachtetet die Forscher diesen Effekt bislang nicht.

Eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch die regelmäßige Einnahme von Beta-Carotin-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln hält das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) deshalb für möglich. In einer Stellungnahme rät das Institut, die Höchstmenge für Beta-Carotin in Nahrungsergänzungsmitteln auf zwei Milligramm pro Tag zu beschränken. Bisher wird davon ausgegangen, dass sich negative Effekte allein auf die Zufuhr von isoliertem Beta-Carotin beschränken und diesen mit der Aufnahme aus der Nahrung nicht überdosiert werden kann. Mit dem Farbstoff sind allerdings eine Vielzahl von Lebensmitteln angereichert, weshalb eine zusätzliche Einnahme von Beta-Carotin als „Vitaminpille“ nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen sollte.

Carotin in Selbstbräunern

Auch in Bräunungscremes kommen Carotinoide vor. Doch hier wirken sie einfach als Farbstoff, der sich von außen auf die Haut legt. Damit sei eine dauerhafte Bräune also nicht erreichbar und auch einen zuverlässigen UV-Schutz liefern die äußerlich angewendeten Carotinoide nicht.

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